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Firmengeschichte

zusammengetragen von: Jürgen Tiedmann

1929 - 1939 - Fernseh AG Berlin

Logo Fernseh AG Berlin    Quelle: [4]

Am 11.06.1929 wurde in Berlin der notarielle Gesellschaftervertrag abgeschlossen in dem die Festlegungen zur Gründung der "Fernseh Aktiengesellschaft" getroffen wurden.

Das Grundkapital in Höhe von 100.000 RM wurde zu gleichen Anteilen von je 20.000 RM aufgebracht von
Hans Schulze,
Martha Ewert,
Max Dehn,
Heinrich Jacob und
Hugo Wrazidlow.
Das Grundkapital wurde in 100 Aktien zu je 1.000 RM zerlegt. Die Aktien lauteten auf den jeweiligen Inhaber.

Der erste Aufsichtsrat sollte aus folgenden Mitgliedern bestehen:
Oliver George Hutchinson, London,
Direktor Erich Karl Rassbach, Stuttgart,
Direktor David Ludwig Loewe, Steglitz, und
Prof. Dr. Emanuel Goldberg, Dresden.
Als Vorstand wurde bestellt:
Dr. Eberhard Falkenstein, Berlin.

Sitz der AG ist Berlin.
Gegenstrand der AG sollte der Erwerb und die Verwertung von Schutzrechten aller Art auf dem Gebiet des Fernsehens sowie die Herstellung und der Vertrieb von Fernsehgeräten aller Art sein.

Am 12.06.1929 schloss die "Fernseh Aktiengesellschaft" einen Lizenzvertrag mit der "Baird International Television Ltd.", London. In diesem räumte die "Television" sämtliche Schutzrechte für das Gebiet Fernsehen ein. Diese Lizenzen galten ausschließlich für Deutschland. Im Gegenzug erhielt die Television das Nutzungsrecht deutscher Patente der "Fernseh AG" für die Länder USA, Canada, Australien, Belgien, Frankreich und Mexico.

Am 22.06.1929 schlossen die Firmen "Robert Bosch AG", Stuttgart, "Loewe-Radio GmbH", Berlin-Steglitz und "Zeiß-Ikon AG", Dresden einen Schutzgemeinschaftsvertrag als Gesellschafter der "Fernseh-AG Berlin" hinsichtlich einer einheitlichen Stimmabgabe bei dieser AG, gemäß ihrem Aktienbesitz von je 25 %. Die Geschäfte dieser Schutzgemeinschaft wurden von der "Loewe-Radio GmbH" geführt.

Bei Gründung der "Fernseh AG" wurde von dem Gesichtspunkt ausgegangen, dass diese ausschließlich Entwicklungen, Einzelanfertigungen und Musteranfertigungen macht, während die Mutterfirmen paritätisch zur Ausführung der Aufträge herangezogen werden.

Am 3. Juli 1929 ließen mehrere Partner die "Fernseh AG" (Bosch-Kürzel "FESE") ins Berliner Handelsregister eintragen. Zweck der Gesellschaft war vor allem "die Herstellung und der Vertrieb von Fernsehgeräten aller Art ".

Gem. Protokoll der außerordentlichen Generalversammlung vom 28.08.1930 waren alleinige Aktionäre der "Fernseh AG"
die "Zeiß-Ikon AG", Dresden mit 25 Aktien über insgesamt 25.000 RM,
die "Baird International Television Ltd.", London mit 25 Aktien über insgesamt 25.000 RM,
die "Robert Bosch AG", Stuttgart mit 25 Aktien über insgesamt 25.000 RM und
die "Loewe-Radio GmbH", Berlin-Steglitz mit 25 Aktien über insgesamt 25.000 RM.

Die Generalversammlung erhöhte das Grundkapital auf 160.000 RM.

Das Aufsichtsratsmitglied Oliver George Hutchinson trat aus dem Aufsichtsrat aus. Dafür wurde Sidney A. Moselay, London, in den Aufsichtsrat gewählt.

Am 01.06.1933 waren David L. Loewe und Prof. Goldberg aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Es wurden Dr. Siegmund Loewe und Direktor Alexander Ernemann (Zeiß-Ikon AG) in den Aufsichtsrat gewählt. Dr. Erich Karl Rassbach war Vorsitzender des Aufsichtsrates.

1936 stellte die "Fernseh AG" für die Übertragung der Olympischen Spiele in Berlin ihre Kameras zur Verfügung.

Am 10.08.1938 bilden die 5 Firmen "Fernseh AG", "Radio AG D.S. Loewe", "C. Lorenz", "Tekade" und "Telefunken" unter Führung der "Forschungsanstalt der Post" eine Arbeitsgemeinschaft und beginnen unter weitgehendem Erfahrungs- und Patentaustausch die Gemeinschaftsentwicklung des Einheits-Fernseh-Empfängers E 1 mit Rechteckbildröhre 20 x 23 cm. Der Verkaufspreis wird auf 650 RM festgesetzt.

1938 verkaufte "Loewe-Radio GmbH" seine Beteiligung an der "Fernseh-AG".

Bis 1939 schieden alle Partner von Bosch aus der "Fernseh AG" aus und die Firma wurde analog zum Mutterhaus in eine GmbH umgewandelt.

Am 18.09.1939 wurde die "Fernseh-AG" in eine, der Firma "Robert Bosch" angeschlossene, GmbH umgewandelt.

Am 19.10.1939 Löschung der AG aus dem Handelsregister.


1939 - 1945 - Fernseh GmbH Berlin

Am 18.09.1939 Umwandlung der "Fernseh-AG" in eine GmbH. Diese war der Firma "Robert Bosch" angeschlossen.

Die "Fernseh-GmbH" war zwar während des Krieges dem Luftfahrtministerium zugeordnet, doch wurden die Aufträge von der Reichspost vergeben, die auch die Abnahme fertiger Geräte durchführte.

1942 gab es Versuche im Auftrag der Versuchsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West durch die "Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost" Klein-Machnow (RPF), die "Fernseh-GmbH" Berlin Zehlendorf (FSG) und die "Löwe Radio Aktiengesellschaft (LRB)", Werk Berlin-Steglitz mit Fernsehtechnik ferngesteuerte Körper (Bomben) zu bestücken.

Wegen der Bombenangriffe auf Berlin wurde der größte Teil des Betriebs 1943 nach Obertannwald im damaligen Sudetengau verlagert. Der Name der Firma wurde zur Tarnung in "Farvis" geändert. In einer ehemaligen Spinnerei wurde Platz für etwa 800 Mitarbeiter eingerichtet.
Hohen Aufwand erforderte die neu aufzubauende Hochvakuum-Abteilung mit einer Fertigungskapazität von etwa 1000 Superikonoskopen pro Jahr.
Der Zweite Weltkrieg unterbrach zwar die Entwicklung des deutschen Fernsehens und der FESE, konnte beide aber nicht stoppen. Allerdings gab es in Deutschland gewaltigen Aufholbedarf gegenüber England, Frankreich und den USA, wo die Entwicklung des Fernsehens auch nach 1945 ungebrochen weiter gegangen war.

1945 (Ende 1946 ?) erfolgte der Umzug der Fernseh GmbH nach Taufkirchen.


1945 (Ende 1946 ?) - 1949 - Fernseh GmbH Taufkirchen/Vils

In Taufkirchen/Vils (Niederbayern) befand sich eine kleine Außenstelle der Fa. Blaupunkt, die nach Ende des 2.Weltkriegs für einige Jahre Sitz der Fernseh GmbH wurde. Nach Übersiedlung aus Obertannwald begann hier ein bescheidener Anfang mit 14 Mitarbeitern. Im Jahr 1948 waren bereits 150 Mitarbeiter tätig.
Weil durch Kontrollratsbestimmung die Beschäftigung mit der Fernsehtechnik untersagt war, die Rundfunktechnik aber ausdrücklich unterstützt wurde, begann man mit der Entwicklung von Messgeräten für Reparatur und Prüfung von Rundfunkgeräten.

1949 erfolgte der Umzug der Fernseh GmbH nach Darmstadt.


1949 - 1972 - Fernseh GmbH Darmstadt (FESE)

1949 wurde das Verbot zur Betätigung auf dem Fernsehgebiet aufgehoben. Bei der Entscheidung für einen neuen, besser geeigneten Standort für die Fernseh GmbH fiel die Wahl auf Darmstadt, einmal wegen seiner zentralen Lage, vor allem aber weil dort das Fernmeldetechnische Zentralamt der Bundespost und eine Technische Hochschule ihren Sitz hatten.
So konnte die Tätigkeit im Herbst 1949 mit den Einrichtungen aus Taufkirchen und mit anfangs fast 50 Mitarbeitern aufgenommen werden.
Weihnachten 1952 konnte mit Billigung der Alliierten der reguläre Fernsehbetrieb in der Bundesrepublik wieder aufgenommen werden. Die FESE Darmstadt hatte sich derweil ganz auf die Entwicklung und Herstellung von Aufnahme- und Studiogeräten spezialisiert und den Fernsehempfängerbau einer anderen Bosch-Tochter - Blaupunkt - überlassen.

Im Februar 1957 erfolgte ein Vertrag zwischen der "Interessen-Gemeinschaft für Rundfunk-Schutzrechte e.V. (I.G.R)" und der "Fernseh GmbH (FESE)" über die Benutzung der Schutzrechte für die Fertigung von Fernsehgeräten.

1959/60 erfolgte eine Erneuerung und Erweiterung des Vertrages mit der "IGR".

Vor 1968 gab es einen starken Wettbewerb zwischen den Farbfernsehsystemen PAL und SECAM. Die Technik im PAL-Standard für Fernsehstudios und Übertragungswagen wurde in Deutschland hauptsächlich von der Fernseh GmbH entwickelt.
In den ersten Jahren des Farbfernsehens in Deutschland war die Fernseh GmbH voll ausgelastet, die notwendigen Geräte für den PAL-Standard zu fertigen.
Von der Fernseh GmbH wurden Transkodiereinrichtungen entwickelt. Diese dienten zur Umwandlung von SECAM nach PAL und umgekehrt.

Produktbeispiele:

Logo Fernseh GmbH DarmstadtQuelle: [1]           Logo Fernseh GmbH DarmstadtQuelle: [1]

1972 Umbenennung in "Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH".


1972 - 1986 - Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH

Zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland führte 1986 zur Einbringung des Unternehmens in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Philips, die Broadcast Television Systems (BTS).


1986 - 1995 - Broadcast Television Systems (BTS)

1995 vollständiger Rückzug von Bosch aus dem Unternehmen und Umbenennung in "Philips Broadcast Television Systems GmbH".


1995 - ? - Philips Broadcast Television Systems GmbH

Quellen: [4], [302], [303], [304], [305], [330], [331]


nach oben Seitenanfang Letzte Änderung dieser Seite: 06.08.2026